Ökonomisierung im Gesundheitswesen Am 3. Februar 2014 diskutierten Kordula Schulz-Asche, MdB (Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft der Grünen Bundestagsfraktion), und Prof. Dr. Ulrich Frei (Ärztlicher Direktor der Charité) auf Einladung von Heiko Thomas, MdA (gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus), über die Ökonomisierung im Gesundheitswesen.

Ökonomisierung des Gesundheitswesens ist keine neue Entwicklung, seit 1977 gibt es Reformen zum Versuch der Kostendämpfung. Dass Wirtschaftlichkeit auch bei Gesundheit eine Rolle spielt, ist zwar nichts Schlechtes, schließlich muss ein Krankenhaus genau wie ein Unternehmen wirtschaftlich handeln. Die 3. Salonveranstaltung der Reihe „Medizin – Ethik – Verantwortung“ drehte sich um die Frage, inwiefern die unterschiedlichen Interessen von Gesundheit und Ökonomisierung zusammen gehen.

Doch wo steht die Gesundheitsversorgung 2014? Es gibt tatsächlich sehr problematische Kritikpunkte im Zusammenhang mit Ökonomisierung: fehlende Pflegekräfte, zu viele OP’s, mangelnde Qualifikation der Beschäftigten und mangelnde Hygiene. Es gibt gravierende Verteilungsprobleme, denn der Rahmen der Gesundheitskosten ist begrenzt durch das, was die Versicherten in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Planungsfehler führen zu einem Ungleichgewicht der Versorgung in Ballungsräumen und in ländlichen Gebieten sowie zur Verschuldung von Krankenhäusern.

Die Abrechnung der Krankenhäuser über DRG-Fallpauschalen, vergleichbar mit einer bepreisten Speisekarte, hat zwar zur Kostensenkung im Krankenhausbereich geführt, setzt aber Fehlanreize. Ein Resultat dieses Abrechnungssystems ist die steigende Zahl an Operationen, deren Wirksamkeit medizinisch fragwürdig ist. Beispielsweise eine unnötige Bandscheiben-OP ist natürlich nicht im Sinn der PatientInnen.

Statt Überlegungen der Art, welche spezialisierten Behandlungen finanziell am rentabelsten sind, brauchen wir eine Diskussion über sinnvolle Arbeitsteilung sowohl von Krankenhäusern aber auch von Berufsgruppen und Schwerpunktsetzungen, über bessere Planung und Qualität. Dafür ist eine ehrliche Bestandsaufnahme nötig, welche Leistungen wo und in welchem Ausmaß tatsächlich gebraucht werden. Mehr Transparenz, etwa durch Krankenhaus-Atlanten oder ein Offenlegen interner Qualitätsberichte, ist unabdingbar für einen besseren Leistungsvergleich.

Besonders spannend war die Idee eines multiprofessionelles Mehraugenprinzips auf breiter Ebene: Was bisher bei Krebserkrankungen mit den Tumorzentren umgesetzt wird, also die Zusammenarbeit von Spezialisten aller Bereiche, könnte auch bei Erkrankungen wie Hüft- oder Wirbelsäulenleiden gängige Praxis werden. Auf diese Weise könnten auch bei Symptomen, die überdurchschnittlich häufig operiert werden, wie etwa Bandscheibenvorfälle, umfassendere Diagnosen gestellt werden. Das wäre besser für die Gesundheit der Patientinnen und Patienten und preiswerter für das Gesundheitssystem.