Berliner Krankenhaus

Grünes Krankenhaus

Berlin - Stadt der Zukunft


1 Einleitung
Krankenhäuser sind Orte der Heilung und der Genesung, der Linderung für PatientInnen mit chronischen Erkrankungen und des Sterbens. Sie sind zugleich Orte des High-Tech und der Hochleistungsmedizin. Sie sind damit auch Orte des Energieverbrauchs und der Müllberge. Krankenhäuser sind Orte des Zuhörens und der Erholung. Sie sind aber auch Orte des Stresses und manchmal auch des Scheiterns. Es sind Orte, mit dem die meisten Patientinnen und Patienten ein zweischneidiges, aber meistens optimistisches Gefühl verbinden.

Krankenhäuser sind aber nicht nur Orte des Helfens, sondern auch ein riesiger Wirtschaftsfaktor mit einem Finanzvolumen von 3 Milliarden Euro für die stationäre, teilstationäre und auch ambulante Patientenversorgung in Berlin. Krankenhäuser sind Arbeitsorte mit extrem hohem Ressourcenverbrauch und bedeutsame Arbeitgeber mit einer hohen Anzahl von Beschäftigten und ist quasi keinen konjunkturellen Schwankungen unterworfen. In den Berliner Krankenhäusern sind mehr als 42.000 Menschen beschäftigt, hinzu kommen Arbeitsplätze bei Zulieferern und anderen Auftragnehmern. Wir verstehen grüne Krankenhauspolitik als Politik, die das ganze Krankenhaus in den Blick nimmt: Vom Verkehr auf dem Krankenhausgelände sowie Zufahrts- und Abfahrtswege, dem Management, dem Energie- und Abfallmanagement, der Systemgastronomie, dem Krankenhaus als sozial verantwortlicher Arbeitgeber, als sozialer Ort im Stadtteil und natürlich als Ort der Diagnostik, Therapie und Pflege.

Ungeachtet dessen sind unsere Krankenhäuser unter Daueranspannung. Viele Krankenhäuser in Deutschland bewegen sich am Rande des finanziellen Kollaps, weil der ökonomische Druck immer weiter gewachsen ist. Ein modernes Krankenhaus wird heute vorwiegend unter betriebswirtschaftlichen Aspekten geführt, denn Krankenhausbehandlungen sind ein lukratives Geschäft. Eine Klinikleitung, die die Chefärztinnen und Chefärzte nicht zumindest teilweise mit in die betriebswirtschaftliche Verantwortung nimmt, bleibt hinter den Möglichkeiten der Erlösoptimierung zurück, die das gegenwärtige Vergütungssystem bietet. Dieses hat Folgen: insbesondere unter den Pflegenden ist der Anteil an stressbedingten Arbeitserkrankungen wie Burnout unter allen Berufsgruppen am höchsten. Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens mit zunehmenden Fokus auf die Quantität statt der Qualität von Leistungen ist zu weit gegangen. Die Vergütung an die Zahl der medizinischen Eingriffe zu koppeln, hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen und damit ein gefährliches Anreizsystem geschaffen, das zu unnötigen oder bestenfalls wahlweisen Operationen oder Eingriffen verführt. Patientenumfragen weisen trotzdem die medizinische und pflegerische Versorgung nach wie vor als überwiegend gut aus. Soll das so bleiben, müssen wir in den kommenden Jahren behutsam, aber konsequent umschwenken. Dies gilt auch für die Berliner Krankenhauslandschaft.

Unsere Ziele lauten kurz:
· verbesserte Versorgungsqualität und sektorenübergreifende Versorgungsangebote
· verbesserter PatientInnenkomfort und gesteigerte PatientInnenzufriedenheit
· gute Arbeitsbedingungen, eine gesunde Arbeitsumgebung und eine gesteigerte
MitarbeiterInnenzufriedenheit
und dabei
· effizienterer Ressourcenverbrauch und weniger Abfallproduktion

Wir werden die Krankenhausplanung und Finanzierung in Berlin konsequent auf diese Ziele hinausrichten. Gelder nach dem Gießkannenprinzip soll es nicht mehr geben. Nicht wer die besten Beziehungen oder wer am längsten gewartet hat, soll zukünftig die knappen Mittel des Landes und weitere Fördermittel bekommen, sondern wer ein nachhaltiges Konzept vorweist.

Auch andere Bundesländer haben erkannt, dass die Länder ihrer Verantwortung für die
Investitionen im Krankenhausbereich besser durch gezielte qualitative Vorgaben erreichen können, als mit dem Hinterherlaufen im Rahmen von Pauschalen. Baden-Württemberg etwa setzt gerade wichtige neue Akzente. Es nimmt dafür auch zusätzliche Haushaltsmittel in die Hand, um den Sanierungsrückstand aufzuholen.

Auch wir wollen die Landesmittel mindestens auf dem jetzigen Niveau halten und die Investitionslücke etwa durch gezielten Einsatz von europäischen Fördermitteln oder durch andere Finanzierungsmodelle weiter reduzieren - etwa im Wärme- und Energiebereich. Wir setzen uns auf Bundesebene für einen tief greifenden, gesundenden Systemwandel in der Krankenhausfinanzierung ein. Wenn eine kommende Bürgerversicherung die Sozialversicherungssysteme auf eine breitere Basis gestellt hat als heute, wird es möglich sein, von der abgemagerten und unzureichenden staatlichen Baufinanzierung für Krankenhäuser abzurücken und andere Partner der sozialen Sicherung einschließlich der Krankenkassen daran angemessen zu beteiligen.

Derzeit wird Berlin seinen Aufgaben bei weitem nicht gerecht. Die Berliner Krankenhausgesellschaft gibt den jährlichen Investitionsbedarf mit rund 200 Millionen an. Abzüglich der Mittel zur Schuldentilgung werden in Berlin aber zur Zeit real nur 61 Millionen vom Land investiert.

Unsere Zielsetzung ist, dass sich die Berliner Krankenhäuser zu Orten weiter entwickeln, an denen Patientinnen und Patienten geholfen werden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne und in einer gesunden Arbeitsumgebung arbeiten und in denen auch die Umwelt nachhaltige Beachtung erfährt.

Dieses Papier legt den Schwerpunkt auf das Krankenhaus als medizinisch-sozialen Ort der Versorgung und als Ressourcen verbrauchenden Arbeitsort.

 

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